Halloween ist in Deutschland ein merkwürdiger Abend: für Kinder der größte Auftritt des Jahres, für Erwachsene entweder eine Party oder gar nichts. Und es ist der einzige Abend, an dem es normal ist, bei Nachbarn zu klingeln, die man nicht kennt.
Am 31. Oktober ziehen Kinder durch die Straßen und klingeln bei Fremden. Diese Selbstverständlichkeit gibt es an keinem anderen Tag des Jahres. Wer im eigenen Haus niemanden kennt, hat an Halloween die niedrigste Hürde, die eine Nachbarschaft zu bieten hat: Man muss nur die Tür öffnen und eine Schale hinstellen. Und weil die Eltern mit vor der Tür stehen, entsteht dabei fast immer ein zweiter Satz nach dem Süßes-oder-Saures — der erste echte Kontakt mit Leuten, die seit Jahren zwei Etagen über einem wohnen. Mehr über den Weg danach steht in Nachbarn kennenlernen.
Die Ausstattung ist überschaubar: eine Schale mit einzeln verpackten Süßigkeiten, ein Licht am Eingang und die Bereitschaft, eine Stunde lang immer wieder aufzustehen. Selbstgemachtes nehmen viele Eltern nicht mit — das ist keine Kritik an der Küche, sondern eine verbreitete Regel, die Kindern das Sortieren erspart. Wie viel man braucht, hängt vollständig von der Straße ab: In Familienvierteln klingelt es im Zehnminutentakt, in anderen Straßen zweimal am Abend. Und wer nichts im Haus hat, lässt das Licht aus. Das ist ein klares Signal, das alle verstehen.
Die stille Verabredung läuft über Dekoration: Ein beleuchteter Kürbis vor der Tür oder ein Fenster mit Gespenstern heißt, hier wird geklingelt. Dunkle Fenster heißen nein, und das ist völlig in Ordnung. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann das vorher erklären — es erspart Enttäuschungen und Diskussionen an fremden Türen.
Der Abend selbst ist kurz und für kleine Kinder oft zu spät. Der Nachmittag davor trägt mehr: Kürbisse, Messer, Zeitungspapier auf dem Tisch, und zwei Stunden, in denen alle beschäftigt sind. Es braucht kein Kostüm, keine Absprache über Uhrzeiten und keinen Plan B bei Regen. Wer eine zweite Familie dazu holt, bekommt den Nebeneffekt, um den es eigentlich geht: Die Kinder schnitzen, die Erwachsenen reden. Weitere Ideen in Unternehmungen mit Kind.
Für Erwachsene läuft in größeren Städten mehr, als der Party-Feed vermuten lässt: Grusel- und Nachtführungen, Themenabende in Kinos, Escape Rooms mit Halloween-Programm, Konzerte, gelegentlich ein Halloween-Lauf. Das Gute daran: Zu all diesen Formaten geht man völlig unauffällig allein hin, weil sie einen Ablauf haben. Wie sich das anfühlt und was hilft, steht in Allein hingehen.
Für einen Halloween-Abend braucht niemand eine Party. Ein Gruselfilm mit drei Leuten, eine Kürbissuppe, ein Spieleabend mit Verkleidung als Option — mehr ist es nicht, und die Absage-Quote ist an einem Abend mit Anlass niedriger als an einem beliebigen Freitag. Warum der erste Schritt fast immer beim Einladenden liegt, steht in Einmal selbst einladen.
Man muss den Abend nicht mögen. In Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist der 1. November ein Feiertag, und Allerheiligen ist in vielen Familien ein stiller Tag mit Friedhofsbesuch. Für einen Spaziergang, ein spätes Frühstück oder ein Treffen am freien Sonntag ist das ein besserer Rahmen als jede Party.
In größeren Städten laufen Grusel- und Nachtführungen, Kinoabende, Escape Rooms mit Sonderprogramm und Konzerte — alles Formate, zu denen man ohne Begleitung gehen kann. Genauso gut funktioniert ein selbst angesetzter Abend mit zwei oder drei Leuten: Film, Kürbissuppe, Spiele.
Kinder gehen am 31. Oktober am frühen Abend durch die Nachbarschaft und klingeln dort, wo dekoriert ist. Üblich sind kleine Süßigkeiten an der Tür. Mit zwei oder drei Familien gemeinsam ist die Runde entspannter, weil die Kinder untereinander Mut machen und die Erwachsenen sich abwechseln können.
An der Dekoration: ein beleuchteter Kürbis, ein Gespenst am Fenster, eine Lichterkette an der Tür. Wo nichts steht und dunkel ist, wird nicht geklingelt. Diese Regel vorher mit den Kindern zu klären, macht den Abend für alle ruhiger.
In Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag. In den übrigen Bundesländern ist es ein normaler Arbeitstag.
Ja, und für die meisten Formate ist es der Normalfall. Kürbisschnitzen, Nachtführungen, Kinoabende und Spieleabende brauchen keine Verkleidung. Nur auf ausgewiesenen Kostümpartys fällt man ohne auf.
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