Kein Auto zu haben fühlt sich am Wochenende am deutlichsten an: Die schönen Ziele scheinen alle dort zu liegen, wo keine Bahn hinfährt. Tatsächlich ist der Radius größer, als die meisten glauben — man muss ihn nur anders planen als eine Autofahrt.
Wer mit dem Auto plant, denkt in Entfernungen. Ohne Auto zählt nur eines: Wie lange dauert die Anreise, und wie oft muss ich umsteigen? Neunzig Minuten mit einmal Umsteigen sind ein guter Tagesausflug, auch wenn das Ziel nur vierzig Kilometer entfernt liegt. Zwei Stunden mit drei Anschlüssen sind es nicht, selbst wenn es näher wäre. Setz dir eine Obergrenze für die Fahrzeit und such danach das Ziel — nicht umgekehrt.
Die verlässlichste Methode: Nimm eine Regionalbahnlinie ab deinem Wohnort und schau, welche Orte auf ihr liegen. Kleinstädte an Bahnstrecken haben fast immer eine Altstadt, ein Museum, ein Café und einen Wanderweg — sonst hätte die Strecke sie nie bedient. Flüsse sind dabei besonders dankbar: Rhein, Elbe, Main, Neckar, Mosel und Donau werden über weite Strecken von Bahnlinien begleitet, sodass Ein- und Ausstieg an verschiedenen Orten möglich sind.
Mit dem Auto muss man immer zum Ausgangspunkt zurück — das ergibt Rundwege. Ohne Auto kannst du in A starten und in B aufhören. Genau das sind die schöneren Touren: von Bahnhof zu Bahnhof, immer geradeaus, ohne den Zwang zur Schleife. Wie sich daraus ganz nebenbei Gesellschaft ergibt, beschreibt der Beitrag Warum du wandern solltest, um Freunde zu finden.
Mit einem Monatsticket für den Nahverkehr kostet der Ausflug nichts extra. Das nimmt den Druck: Wenn der Tag mäßig wird, war es trotzdem nicht teuer, und der nächste Versuch kostet ebenfalls nichts. Wer Ideen für Tage ohne Budget sucht, findet in Was tun am Wochenende ohne Geld weitere Anstöße, die sich gut mit einer Zugfahrt kombinieren lassen.
Die unangenehme Wahrheit über den deutschen Nahverkehr: Der Hinweg klappt fast immer, der Rückweg manchmal nicht. Schau deshalb zuerst nach, wann die letzte Verbindung zurückfährt, und merk dir die vorletzte. Am Sonntagabend und auf Nebenstrecken sind Takte dünn. Ein Ziel mit stündlicher Verbindung ist einem mit einer Zweistundenlücke deutlich vorzuziehen, auch wenn es weniger spektakulär klingt.
Eine Zugfahrt allein ist Transport, eine Zugfahrt zu dritt ist bereits Teil des Ausflugs. Hin- und Rückfahrt sind die Stunden, in denen tatsächlich geredet wird — Zeit, die man beim Autofahren zwischen Navi und Parkplatzsuche verliert. Wie man Mitfahrende findet, ohne jemanden zu kennen, steht in Allein losfahren? So findest du Begleitung.
Alle Einstellungen bleiben lokal auf deinem Gerät — nichts wird gesendet.