Die Ausstellung läuft noch zwei Wochen, das Konzert wäre am Freitag, das Lokal wollte man immer schon ausprobieren — und dann sagt die einzige Person ab, die man gefragt hat. Für viele endet der Plan genau hier. Dabei ist die Hürde kleiner, als sie sich anfühlt, und sie sinkt mit jedem Mal.
Im Konzert schaut das Publikum nach vorn, im Kino ist es dunkel, im Restaurant sind die anderen mit ihrem eigenen Tisch beschäftigt. Die Aufmerksamkeit, die man sich zuschreibt, ist fast immer geliehen: Man beobachtet sich selbst und rechnet damit, dass andere dasselbe tun. Der Test ist einfach — wer erinnert sich an die einzelne Person zwei Tische weiter vom letzten Restaurantbesuch?
Unangenehm wird es selten durch das Alleinsein, sondern durch die Beschäftigungslosigkeit dazwischen: warten, bis das Essen kommt, warten, bis es losgeht. Wer etwas dabeihat — ein Buch, ein Heft, die Karte des Hauses — überbrückt genau diese Minuten. Das Handy geht auch, hat aber einen Nachteil: Es signalisiert am deutlichsten „bitte nicht ansprechen". Wer offen für ein Gespräch ist, legt es weg.
Führungen, Lesungen, Vorträge, Museen, Kurse, Laufgruppen, Sonntagsmatineen: Dort kommen sehr viele Menschen allein, und niemand rechnet mit etwas anderem. Klassische Zweier-Formate — Abendessen, Kinovorstellung am Samstag — sind der schwierigere Einstieg. Wer die Hürde nehmen will, fängt nicht beim schwersten Fall an, sondern bei dem, wo er ohnehin nicht auffällt.
Hinsetzen, bestellen, ankommen — danach kippt das Gefühl fast immer. Deshalb lohnt es, den Anfang zu erleichtern: früh genug da sein, um in Ruhe einen Platz zu finden, statt in eine volle Reihe zu drängen; am Tresen sitzen statt am Zweiertisch mit leerem Stuhl; die Bestellung vorher schon wissen. Diese Kleinigkeiten kürzen genau die Phase ab, in der man am ehesten wieder gehen will.
Am Tresen, in der Pause, in der Warteschlange entstehen die kürzesten Gespräche des Abends — und manchmal mehr. Wer den Schritt nicht allein gehen will, dreht die Sache um und lädt vorher offen ein: nicht eine bestimmte Person fragen, sondern den Termin öffentlich stellen. Genau dafür gibt es Begleitung für Ausflüge — aus „ich gehe allein" wird dann „ich gehe hin, wer mag mit".
Alle Einstellungen bleiben lokal auf deinem Gerät — nichts wird gesendet.