Juli und August fühlen sich für viele seltsam leer an: Der Freundeskreis ist verstreut, die Stadt wirkt ausgestorben — und der eigene Kalender auch. Warum das Sommerloch mehr mit einem macht, als man zugibt, und was in diesen Wochen wirklich hilft.
Einsamkeit verbindet man mit November: grau, kalt, früh dunkel. Dabei ist der Hochsommer für viele die härtere Zeit. Der Grund ist banal: Im Sommer pausiert alles, was sonst Struktur gibt. Der Sportkurs macht Sommerpause, der Stammtisch fällt aus, die Kollegin ist drei Wochen weg. Was im Alltag ganz von allein für Kontakt sorgt, ist plötzlich stillgelegt — übrig bleibt viel Zeit ohne festen Termin.
Dazu kommt der Blick aufs Handy. Sechs Wochen lang besteht der Feed aus Stränden, Berggipfeln und Gruppenfotos in Abendsonne. Das verzerrt gewaltig: Man vergleicht den eigenen ganz normalen Dienstag mit den ausgewählten Höhepunkten von hundert Leuten. Wer sich in dieser Zeit schlecht fühlt, hat nicht weniger Leben als andere — er sieht nur deren Ausschnitt.
Es fühlt sich an, als wären alle weg. Tatsächlich bleibt die Mehrheit da: Menschen, die im Sommer arbeiten, deren Budget keinen Urlaub hergibt, die Angehörige versorgen oder schlicht keine Lust auf Reisen haben. Sie sitzen in derselben leeren Stadt und haben dasselbe Problem — nur sagt es kaum jemand laut.
Erstens: einen festen Anker setzen — ein Termin pro Woche, der immer stattfindet, etwa die Laufrunde am Donnerstag. Zweitens: klein statt groß planen; zwei Stunden am Abend sind leichter zu bekommen als ein ganzer Tag. Drittens: etwas tun statt sich nur zu treffen — eine gemeinsame Aktivität nimmt den Druck raus, ein Gespräch tragen zu müssen. Und viertens: selbst einladen. Wer wartet, wartet im Sommer besonders lange.
Der schöne Nebeneffekt: Wer jetzt den ersten Schritt macht, trifft auf Menschen, die gerade genauso offen sind. Die Hürde ist niedriger als im vollen Herbst, wenn jeder Kalender wieder zu ist. Was in diesen leeren Wochen entsteht, hält oft weit über den September hinaus. Und wenn die anderen zurückkommen, wird es erfahrungsgemäß noch einmal kurz still — auch dafür lohnt ein fester Termin.
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